Unsere Kaninchen

Kleiner Mümmelmann im Tierpark Reinach

Wer unsere Kaninchen beobachtet, merkt schnell, dass hinter den langen Löffeln und den grossen Augen weit mehr steckt als nur ein niedliches Tier. Wie ihre wilden Verwandten sind sie neugierig, sozial und jede von ihnen hat seinen ganz eigenen Charakter. Sie kuscheln, streiten, spielen und hoppeln mit einer Leichtigkeit durchs Gehege, die sofort gute Laune macht.

Seit 2026 leben unsere Kaninchen im Tierpark Reinach in einem neu gestalteten Gehege, das ihnen viel Platz, Rückzugsmöglichkeiten und klare Strukturen bietet. So können sie all das tun, was Kaninchen von Natur aus brauchen: scharren, rennen, sich verstecken und einfach Kaninchen sein.

DAs neue Kaninchengehege

Am 3. April sind Piemento und Foxxy zusammen mit den Neuankömmlingen Alea, Emil, Emilio, Juno, Lilly, Lilo, May und Shadow in ihr neues Zuhause gezogen. Seit Ostermontag dürfen sie auch das Aussengehege erkunden.

Bereits im Innengehege zeigen sich die unterschiedlichen Charaktere: manche Tiere sind vorsichtig, andere neugierig oder eher zurückhaltend. Gerade diese Vielfalt macht das Beobachten so spannend und wir freuen uns darauf, wenn sie dieses Verhalten bald auch draussen unseren Besucherinnen und Besuchern zeigen.

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Piemento
2022

Foxxy
2024
Schweizer Fuchskaninchen (ProSpeciaRara)

Alea
2022

Emil
2025

Emilio
2025

 

Juno
2021

Lily
2024

Lilo
2024

May
2020

Shadow
2021

Bis die Abdeckung des Aussengeheges vollständig mardersicher ist, kehren die Kaninchen am Abend aus Sicherheitsgründen in den Innenbereich zurück.

Wissen

Wer unsere Kaninchen beobachtet, bekommt schnell Lust, noch mehr über sie zu erfahren. Im folgenden Abschnitt erfährst du mehr über die Unterschiede zwischen Kaninchen und Hasen. Ausserdem zeigen wir, worauf bei der Haltung von Kaninchen besonders geachtet werden sollte.

Wusstest du zum Beispiel, dass weder Hase noch Kaninchen zu den Nagetieren gehören? Oder dass Kaninchen nicht erbrechen können und weshalb ausgerechnet der Hase zum Osterhasen wurde?

Hase oder Kaninchen?

Ein häufiges Missverständnis ist die Gleichsetzung von Hase und Kaninchen. Tatsächlich haben beide nur eines wirklich gemeinsam: Obwohl ihre nachwachsenden Zähne sie wie Nagetiere wirken lassen, gehören sie nicht zu dieser Ordnung, sondern zu den Hasenartigen.

Damit enden die Gemeinsamkeiten aber fast schon. Denn Hase und Kaninchen sind zwei verschiedene Arten, die sich weder miteinander verpaaren noch in ihrer Lebensweise vergleichen lassen. Sie unterscheiden sich deutlich in Verhalten, Körperbau und Lebensraum. Während Hauskaninchen domestiziert und gezüchtet werden können, bleibt der Feldhase ein Wildtier.

Wenn im Alltag vom Hasen gesprochen wird, ist damit meist der Feldhase gemeint, wissenschaftlich bekannt als Lepus europaeus.

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Was Hasenartige besonders macht

Hasenartige unterscheiden sich in mehreren Punkten deutlich von Nagetieren, auch wenn ihre Zähne auf den ersten Blick ähnlich erscheinen. Im Oberkiefer besitzen sie vier Schneidezähne: zwei grosse Schneidezähne vorne und direkt dahinter zwei kleinere sogenannte Stiftzähne. Hinzu kommen insgesamt 22 Backenzähne. Nagetiere besitzen dagegen oben und unten jeweils nur zwei Schneidezähne und insgesamt höchstens 16 Backenzähne.

Ein weiterer Unterschied zeigt sich im Zahnschmelz. Bei Hasenartigen umschliesst er die Schneidezähne vollständig, weshalb diese gleichmässig weiss erscheinen. Bei Nagetieren liegt der Zahnschmelz nur auf der Vorderseite, wodurch die Zähne oft gelblich bis orange wirken.

Auch die Verdauung ist anders aufgebaut. Der Magen von Hasenartigen kann die zellulosereiche Pflanzennahrung nicht vollständig aufschliessen. Die eigentliche Hauptverdauung findet deshalb im Blinddarm statt, der ein Vielfaches des Mageninhalts aufnehmen kann.

Da der Magen nur eine schwache Muskulatur besitzt, kann er die Nahrung nicht selbstständig weitertransportieren. Er ist darauf angewiesen, dass laufend neue Nahrung aufgenommen wird, damit der Verdauungsprozess in Gang bleibt. Deshalb müssen Kaninchen und Hasen den ganzen Tag über fressen können. Bleibt der Magen zu lange leer, kann dies schnell zu ernsthaften Verdauungsproblemen führen.

Der Feldhase

Feldhasen erkennt man gut an ihrer schlanken Gestalt, den langen Hinterbeinen und ihrer beachtlichen Grösse. Mit drei bis fünf Kilogramm bringen sie deutlich mehr Gewicht auf die Waage als Hauskaninchen. Besonders auffällig sind ihre langen Ohren mit den schwarzen Spitzen sowie die bernsteinfarbenen Augen mit den ovalen Pupillen.

Dank ihrer seitlich stehenden Augen haben Feldhasen ein Sichtfeld von nahezu 360 Grad. Diese Rundumsicht hilft ihnen, Feinde frühzeitig zu erkennen. Da sie kurzsichtig sind, reagieren sie vor allem auf Bewegungen. Unterstützt wird dies durch ihren gut entwickelten Geruchssinn, dank dem sie auch langsam näher kommende Fressfeinde rechtzeitig wahrnehmen.

Lebensraum und Lebenserwartung

Feldhasen bevorzugen als Lebensraum Wiesen, Felder und Wälder. Dort ernähren sie sich unter anderem von Gräsern, Kräutern, Trieben und Rinde. Wie Kaninchen nehmen auch sie ihren Blinddarmkot wieder auf, um wichtige Nährstoffe ein zweites Mal zu verwerten.

Je nach Nahrungsangebot umfasst das Revier eines Feldhasen zwischen 50 und 300 Hektaren. In diesem Gebiet lebt er meist sein ganzes Leben und vertreibt Eindringlinge konsequent. Feldhasen sind Einzelgänger und verzichten im Gegensatz zu Hauskaninchen auf die Gesellschaft von Artgenossen. Nur während der Paarungszeit suchen sie die Nähe anderer Hasen. Dann kommt es zwischen rivalisierenden Männchen auch gerne mal zu eindrücklichen Boxkämpfen um das Weibchen.

Tagsüber ruht der dämmerungsaktive Feldhase in flachen Bodenmulden, den sogenannten Sassen. Dort ist er durch sein Fell gut getarnt und kann sich bei Gefahr eng an den Boden drücken. Muss er fliehen, zeigen seine langen Hinterbeine ihre ganze Kraft: Sprünge von bis zu zwei Metern Höhe und drei Metern Weite sind keine Seltenheit. Auf kurzen Strecken erreicht er Geschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometern pro Stunde.

Feldhasen können bis zu zwölf Jahre alt werden. Aufgrund von Raubtieren, Jagd und intensiver Landwirtschaft erreichen jedoch nur wenige dieses Alter. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt deshalb bei lediglich drei bis fünf Jahren. Aus diesem Grund steht der Feldhase auf der Roten Liste der gefährdeten Säugetiere.

Der Feldhase als Fruchtbarkeitssymbol

Kaum ein anderes Tier wird so stark mit Fruchtbarkeit und Neubeginn verbunden wie der Feldhase. Das kommt nicht von ungefähr, denn eine Häsin kann mehrmals pro Jahr Junge bekommen. Nach einer Tragzeit von rund 40 Tagen bringt sie pro Wurf ein bis drei, selten auch mal mehr Jungtiere zur Welt. Diese sind bereits vollständig entwickelt, mit Fell und offenen Augen und sind schon wenige Wochen später selbstständig.

Mit diesem ist die Feldhäsin im Tierreich zwar nicht allein, doch sie besitzt eine besondere Fähigkeit: Sie kann während einer bestehenden Trächtigkeit erneut befruchtet werden und gleichzeitig Jungtiere unterschiedlichen Alters austragen. Diese sogenannte Superfötation ist selten und macht den Feldhasen zusammen mit wenigen anderen Tierarten besonders.

Diese hohe Fortpflanzungsleistung hat dazu geführt, dass der Feldhase in vielen Kulturen als Symbol für Leben, Fruchtbarkeit und Neubeginn gilt.

Kaninchen

Vom Wildkaninchen zum Hauskaninchen

Wie bereits erwähnt, stammen unsere Hauskaninchen wie alle Kaninchen vom Europäischen Wildkaninchen ab. Dieses war ursprünglich in Nordafrika und auf der Iberischen Halbinsel verbreitet. Bereits in der Antike hielten die Römer Wildkaninchen in Gehegen.

Die gezielte Domestikation begann jedoch erst vor rund 1500 Jahren in französischen Klöstern. Dort wurden Kaninchen als Nutztiere gehalten. Da Kaninchenfleisch damals nicht als Fleisch galt, durfte es auch während der Fastenzeit gegessen werden.

m Laufe der Zeit entwickelte sich daraus eine gezielte Zucht. Ab dem 16. Jahrhundert wurde vermehrt auf unterschiedliche Rassen, Körperformen und Fellfarben gezüchtet. Heute gibt es fast 400 verschiedene Kaninchenrassen mit sehr unterschiedlichen Merkmalen.

Zu den bekanntesten zählen kleine Rassen wie Farbenzwerge, Holländerkaninchen, Löwenköpfchen oder Angorakaninchen. Beliebt sind auch Rexkaninchen mit ihrem besonders weichen Fell sowie grosse Rassen wie die Deutschen Riesen.

Auch Widderkaninchen mit ihren hängenden Ohren und kurzen Nasen erfreuen sich grosser Beliebtheit. Gleichzeitig weisen sie jedoch deutliche Qualzuchtmerkmale auf. Die hängenden Ohren erschweren die Kommunikation und führen häufig zu Ohrenentzündungen. Die verkürzten Köpfe begünstigen zudem Atemprobleme und Zahnfehlstellungen.

Auch wir im Tierpark Reinach halten vier Widderkaninchen und sind uns dieser Problematik bewusst. Unsere Tiere stammen jedoch aus einer Auffangstation, nachdem sie ihr Zuhause verloren hatten. Wir würden keine Jungtiere aus Zuchten mit solchen Merkmalen erwerben.

Aussehen der Hauskaninchen

Hauskaninchen sind im Vergleich zum Feldhasen deutlich kleiner und kompakter gebaut. Sie erreichen meist ein Gewicht zwischen einem und zweieinhalb Kilogramm und eine Körperlänge von etwa 25 bis 50 Zentimetern.

Typisch sind die eher kurzen Ohren, die dunklen Augen und der kurze, aufrecht getragene Schwanz, der auch als Blume bezeichnet wird. Ihr Fell zeigt eine grosse Vielfalt an Farben und Mustern. Neben Wildfarben gibt es schwarze, braune, blaue und rote Tiere sowie zahlreiche gescheckte Varianten.

Folgen der Domestikation

Die Domestikation hat nicht nur das äussere Erscheinungsbild verändert, sondern auch das Nervensystem beeinflusst. Das Gehirn von Hauskaninchen ist im Durchschnitt etwa 20 bis 22 Prozent kleiner als das ihrer wildlebenden Verwandten. Grund dafür ist, dass gewisse Anforderungen aus der freien Natur, etwa die dauerhafte Feinderkennung oder die ständige Nahrungssuche, in menschlicher Obhut weniger stark ausgeprägt sind.

Trotzdem ist das grundlegende Verhalten erhalten geblieben. Auch Hauskaninchen sind weiterhin auf Flucht und Wachsamkeit ausgerichtet. Ihre Herzfrequenz liegt selbst im Ruhezustand bei etwa 130 bis 180 Schlägen pro Minute und kann bei Stress auf über 300 Schläge pro Minute ansteigen. Auch die Atmung ist deutlich schneller als beim Menschen und liegt bei etwa 30 bis 100 Atemzügen pro Minute.

Diese Werte zeigen, dass Kaninchen trotz Domestikation weiterhin typische Beutetiere geblieben sind.

Wie das Kaninchen zu seinem Namen Kam

Schon die lateinische Bezeichnung Oryctolagus cuniculus beschreibt die Lebensweise des Kaninchens sehr treffend. Oryctolagus bedeutet „hasenartiger Gräber“, cuniculus steht für „unterirdischer Gang“. Damit verweist bereits der wissenschaftliche Name auf die ausgeprägte Fähigkeit der Kaninchen, Höhlen und Gangsysteme anzulegen.

Aus dem lateinischen cuniculus entwickelte sich im Laufe der Zeit zunächst das altfranzösische conin, daraus das mittelniederdeutsche kanin und schliesslich unser heutiges Wort Kaninchen.

Der liebevolle Spitzname „Mümmelmann“ entstand dagegen aus einer typischen Verhaltensweise. Die langsamen Kaubewegungen, das sogenannte Mümmeln, gaben dem Kaninchen diesen vertrauten Namen.

Lebensraum und Bedürfnisse

Wildkaninchen bevorzugen strukturreiche Landschaften mit guter Deckung und trockenen Sandböden, in denen sie ihre Höhlen graben können. Gemeinsam bauen sie weit verzweigte Tunnel- und Kammersysteme, die einer ganzen Kolonie als Lebensraum dienen.

Die Gänge können bis zu drei Meter tief und bis zu 45 Meter lang sein. Im Zentrum liegt die Wohnkammer, von der zahlreiche Gänge und Fluchtwege abzweigen. Zusätzlich gibt es separate Nestkammern für die Aufzucht der Jungtiere.

Die Eingänge dieser Bauten sind bewusst eng und oft gut versteckt unter Büschen oder Sträuchern angelegt. So werden Fressfeinde abgehalten. Bei Gefahr kann sich ein Kaninchen blitzschnell in einen solchen Gang zurückziehen und ist damit sofort geschützt.

An diesen Grundbedürfnissen hat auch die Domestikation nichts geändert. Hauskaninchen brauchen weit mehr als einen Stall und Futter. Sie möchten rennen, graben, sich verstecken und mit Artgenossen zusammenleben. Erst wenn sie diese natürlichen Verhaltensweisen ausleben können, fühlen sie sich wirklich wohl.

Deshalb ist ausreichend Platz besonders wichtig. Ein Kaninchenpaar benötigt mindestens sechs Quadratmeter Grundfläche, damit die Tiere rennen, springen und einander ausweichen können. Bei grösseren Rassen sollte entsprechend mehr Fläche eingeplant werden.

Ebenso wichtig ist eine abwechslungsreiche Gestaltung mit Sandflächen, Buddelmöglichkeiten, Verstecken und Häuschen mit mehreren Ausgängen. Auch verschiedene Ebenen bereichern das Gehege, ersetzen aber nicht die notwendige Grundfläche.

Leider werden Kaninchen noch immer häufig in zu kleinen Käfigen gehalten, wie sie als Standardkäfige im Handel angeboten werden. Solche Haltungen werden den natürlichen Bedürfnissen der Tiere nicht gerecht und bieten kaum Raum für arttypisches Verhalten.

Im Tierpark Reinach haben wir deshalb darauf geachtet, dass unsere Kaninchen ein grosszügig gestaltetes Gehege mit verschiedenen Bereichen sowohl drinnen als auch draussen nutzen können.

Diese bieten ihnen Rückzugsmöglichkeiten  und Raum, ihre natürlichen Verhaltensweisen auszuleben.

Die richtige Ernährung

Kaninchen sind reine Pflanzenfresser. Die Grundlage ihrer Ernährung ist bei uns dann auch hochwertiges Heu, das ihnen jederzeit zur Verfügung stehen muss. Es unterstützt die Verdauung und sorgt gleichzeitig dafür, dass die lebenslang nachwachsenden Zähne natürlich abgenutzt werden.

Ergänzt wird die Nahrung durch frisches Grünfutter wie Kräuter, Löwenzahn sowie geeignete Äste zum Nagen. Auch Gemüse wird in passenden Mengen gefüttert, während Kraftfutter wie Pellets nur sparsam eingesetzt werden dürfen.

Auch Obst, zuckerreiches Gemüse und stärkereiche Körner können gelegentlich angeboten werden. Grössere Mengen belasten die Verdauung und können langfristig gesundheitliche Probleme verursachen.

Gesundheit und Verdauung

Die Gesundheit von Kaninchen ist eng mit ihrer Verdauung verbunden, die einige besondere Eigenschaften aufweist und bei der Haltung unbedingt berücksichtigt werden muss.

So können Kaninchen nicht erbrechen, was die richtige Fütterung umso wichtiger macht.

Und zu einer echten Lebensgefahr kann es werden, wenn ein Kaninchen über Stunden nichts frisst. Ihr  Verdauungsapparat ist nicht darauf ausgerichtet, längere Fastenphasen zu überstehen. Selbst in der Nacht wechseln sich Schlaf- und Fressphasen ab.

 

Eine weitere Besonderheit im Verdauungssystem ist der Blinddarmkot. Dieser wird im Blinddarm gebildet und direkt nach dem Ausscheiden wieder aufgenommen. Dadurch gelangen wichtige Vitamine, Proteine und nützliche Darmbakterien ein zweites Mal in den Verdauungskreislauf und können vollständig verwertet werden. 

Leben in der Gruppe

Kaninchen sind ausgesprochen soziale Tiere und auf die Gesellschaft von Artgenossen angewiesen. So leben auch Wildkaninchen in Kolonien, die meist aus sechs bis zwölf erwachsenen Tieren bestehen. Ist genügend Platz vorhanden, können sich mehrere solcher Gruppen zusammenschliessen, sodass auf einem Hektar schon mal bis zu rund 150 Tiere zusammenleben. 

Auch Hauskaninchen sollten niemals allein gehalten werden. Ideal ist ein harmonisches Paar aus einem kastrierten Rammler und einem Weibchen. So viel Zuwendung ein Mensch auch geben kann, einen Artgenossen kann er nicht ersetzen.

Auch Meerschweinchen, mit denen Kaninchen oft gemeinsam gehalten werden, sind kein vollwertiger Ersatz. Beide Tierarten unterscheiden sich in ihrer Körpersprache und Kommunikation so stark, dass sie sich zwar arrangieren, aber keine echte soziale Bindung aufbauen können.

Im Tierpark Reinach wurden deshalb die beiden Tierarten 2026 bewusst getrennt. So können nun beide Tierarten ihren jeweiligen Bedürfnissen entsprechend gehalten werden.

Die Rangordnung

Innerhalb einer Kaninchengruppe gibt es eine klare Rangordnung. Dabei nimmt jedes Tier einen festen Platz in der Gruppe ein, an deren Spitze ein dominantes Leittier steht. Ob dieses männlich oder weiblich ist, hängt weniger vom Geschlecht als vom individuellen Charakter ab.

Die Rangordnung zeigt sich im Alltag deutlich. Ranghöhere Tiere beanspruchen bevorzugte Ruheplätze, erhalten häufiger Fellpflege und fressen oft zuerst. Gleichzeitig ordnet sich jedes Tier den ranghöheren Tieren unter und geniesst gegenüber rangtieferen Tieren gewisse Privilegien.

Veränderungen in der Gruppe, etwa wenn ein neues Tier dazukommt oder ein Gruppenmitglied wegfällt, können vorübergehend zu Rangordnungskämpfen führen. Dabei jagen und zwicken sich die Tiere, manchmal fliegen auch Fellbüschel durch die Luft. Auch gegenseitiges Besteigen gehört dazu und dient in diesem Zusammenhang nicht der Fortpflanzung, sondern der Klärung der Rangverhältnisse.

Solange es nicht zu ernsthaften Verletzungen kommt, ist dieses Verhalten völlig normal und sollte nicht unterbrochen werden. 

Soziale Bindung

Das Zusammenleben von Kaninchen besteht jedoch nicht nur aus Rangordnungen. Im Gegenteil: In einer stabilen Gruppe machen Konflikte nur einen sehr kleinen Teil des Alltags aus. Viel wichtiger sind die positiven sozialen Kontakte zwischen den Tieren:

Kaninchen, die sich gut verstehen, pflegen sich gegenseitig und suchen aktiv die Nähe zueinander. Dieses Verhalten stärkt die Bindung innerhalb der Gruppe und vermittelt Sicherheit.

Besonders deutlich zeigt sich dies bei der gegenseitigen Fellpflege. Die Tiere lecken und putzen einander vor allem an Stellen, die sie selbst nur schwer erreichen können, etwa an Kopf und Ohren. Was auf den ersten Blick wie ein Privileg ranghoher Tiere wirken mag, ist in erster Linie ein Ausdruck von Vertrauen und Zuneigung.

Ein entspannt ausgestrecktes Kaninchen, das ruhig daliegt und leise mit den Zähnen knuspert, zeigt deutlich, dass es sich sicher und wohl fühlt. Auch plötzliche Luftsprünge mit Drehungen, sogenannte Binkys, sind ein klares Zeichen von Lebensfreude und Wohlbefinden.

All diese Verhaltensweisen zeigen noch einmal deutlich, weshalb Kaninchen niemals allein gehalten werden sollten. Für sie ist ein Artgenosse nicht nur Gesellschaft, sondern ein wesentlicher Bestandteil ihres Wohlbefindens.

Fluchtverhalten und Sicherheit

Kaninchen sind Fluchttiere und deshalb ständig aufmerksam. Bei drohender Gefahr verharren sie zunächst reglos, stellen die Ohren auf und beobachten ihre Umgebung genau. Dabei kann schon ein ungewohntes Geräusch oder ein Schatten die ganze Gruppe in Alarmbereitschaft versetzen und eine sofortige Flucht auslösen.

Um auch im Schlaf mögliche Gefahren wahrnehmen zu können, schlafen Kaninchen häufig mit offenen Augen. Nur wenn sie sich vollkommen sicher fühlen, schliessen sie ihre Augen vollständig.

Wenn ein Tier die Flucht ergreift, folgen die anderen meist sofort. In der Natur fliehen sie in ihre unterirdischen Bauten. Dabei sind sie erstaunlich wendig und können bis zu einem Meter hoch springen. Da sie Kurzsprinter sind, entfernen sie sich jedoch selten weit von einer sicheren Rückzugsmöglichkeit.

Auch bei Hauskaninchen bleibt dieses Verhalten in abgeschwächter Form erhalten. Deshalb benötigen sie jederzeit zugängliche Verstecke und geschützte Rückzugsorte im Gehege.

Wie Kaninchen Kommunizieren

Kaninchen kommunizieren vor allem über Körpersprache und Gerüche. Die Stellung der Ohren spielt dabei eine wichtige Rolle. Aufgerichtete Ohren zeigen Aufmerksamkeit, nach vorne gerichtete Neugier, flach angelegte Ohren hingegen Unsicherheit oder Schutzverhalten.

Diese stille Form der Kommunikation ist typisch für Beutetiere, denn sie hilft ihnen, möglichst wenig Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Zusätzlich markieren Kaninchen ihr Revier mit Duftstoffen. Über Duftdrüsen am Kinn sowie über Urin und Kot hinterlassen sie Geruchsspuren, an denen sie ihre Umgebung und andere Tiere erkennen können. Gerade in den dunklen Gangsystemen ihrer Bauten ist diese Form der Kommunikation sehr wichtig, um möglichst schnell zwischen Freund oder Feind zu unterscheiden.

Lautäusserungen werden auch aber nur selten eingesetzt. Ein leises Fiepen kann Unsicherheit ausdrücken, während Brummen oder Fauchen Unruhe signalisieren. Schlagen Kaninchen mit den Hinterläufen auf den Boden, warnen sie ihre Artgenossen vor Gefahr. Nur in äusserster Not stossen sie laute Schreie aus.

Fortpflanzung

Kaninchen sind ausgesprochen fruchtbare Tiere und gerade die kleineren Rassen sind oft schon mit 3 Monaten geschlechtsreif. Auch können Hauskaninchen wie die Wildkaninchen das ganze Jahr über Nachwuchs bekommen. 

Im Gegensatz zu Wildkaninchen, deren Hauptpaarungszeit meist zwischen Februar und Juli liegt, sind Hauskaninchen jedoch ganzjährig fortpflanzungsfähig.

Dabei wird der Eisprung der Häsin nicht spontan ausgelöst, sondern erst durch den Deckakt selbst. Nach einer Tragzeit von 28 bis 34 Tagen kommen ihre meist drei bis acht Jungtiere zur Welt. 

Kurz vor der Geburt beginnt die Häsin damit, ein Nest vorzubereiten. Sie polstert es mit Heu, Stroh und Fellhaaren aus, die sie sich vom Bauch rupft. Dadurch entsteht ein geschützter und gut isolierter Platz für die Jungtiere.

Neugeborene Kaninchen kommen nackt, blind und taub zur Welt und sind vollständig auf die Mutter angewiesen. 

Die Häsin säugt ihre Jungen meist nur ein bis zwei Mal täglich für wenige Minuten. Das wirkt wenig, reicht aber völlig aus, da die Muttermilch besonders nährstoffreich ist und wichtige Abwehrstoffe für das Immunsystem der Jungtiere enthält. Nach etwa zehn Tagen öffnen die Jungtiere die Augen, nach zwei Wochen verlassen sie erstmals das Nest und bereits mit etwa acht Wochen sind sie selbstständig.

Die Häsin ist übrigens unmittelbar nach der Geburt ibereits wieder empfängnisbereit, was erklärt, weshalb sich Kaninchen sehr rasch vermehren können. Deshalb sind auch unser Rammler kastriert worden.

Warum an Ostern der Hase kommt

Die erste schriftliche Erwähnung des Osterhasen stammt aus dem Jahr 1682. Damals wurde beschrieben, dass im Elsass, in der Pfalz und am Oberrhein ein Hase Ostereier lege und im Garten verstecke, damit Kinder sie suchen konnten. Zunächst galt dies als Kindergeschichte, doch im 19. Jahrhundert setzte sich der Osterhase endgültig als Symbol für Ostern durch.

Dass gerade der Feldhase diese Rolle erhielt, ist kein Zufall. Als Sinnbild für Fruchtbarkeit galt er bereits seit der Antike als entsprechendes Symbol.

Hinzu kommt sein Verhalten. Nach dem Winter kamen Feldhasen häufig auf Nahrungssuche in die Nähe von Dörfern und Gärten. Dort verharrten sie reglos in ihren Sassen und verschwanden plötzlich wieder. So entstand vermutlich die Vorstellung, sie hätten die dort gefundenen Eier gebracht.

Im Englischen heisst der Osterhase Easter Bunny, also wörtlich Osterkaninchen. Dennoch war es ursprünglich der Feldhase, der diese Tradition geprägt hat und nicht sein domestizierter Verwandter.