Unsere Hühner

Vom Dschungel in den Tierpark

Wer unsere Hühner beim Scharren und Gackern im Auslauf unserer Geissen beobachtet, merkt schnell: Hinter der geschäftigen Betriebsamkeit stecken neugierige, kommunikative und vor allem unverwechselbare Persönlichkeiten.

Anders als unsere Geissen lassen sich unsere Hühner jedoch nicht anfassen und mögen es weder gestreichelt noch hochgenommen zu werden.

Unsere Appenzeller Barthühner

Herkunft Das Appenzeller Barthuhn, von den Appenzellern liebevoll «Bartli» genannt, ist eine echte Schweizer Rasse, die Mitte des 19. Jahrhunderts im ostschweizer Alpenraum entstanden ist. Sie wurde als robuste Landrasse gezüchtet und war als Legehenne sehr geschätzt, da sie bereits mit 6 Monaten die ersten Eier legen kann und es im ersten Jahr auf 120 bis 160 (manchmal auch bis zu 180) Eier bringt. Selbst bei kühleren Temperaturen legen sie weiterhin zuverlässig ihre weissen Eier.

In der Nachkriegszeit geriet das Barthuhn wie viele andere traditionelle Landrassen leider in Vergessenheit, denn gegen die ertragreichen Hybridhühner hatte es keine Chance. Heute stehen die Appenzeller Barthühner deshalb auf der Roten Liste der gefährdeten Nutztierrassen und werden von der Stiftung ProSpecieRara aktiv gefördert.

Aussehen Das auffälligste Merkmal der Appenzeller Barthühner ist ihr namensgebender Bart, der aus Kinn- und Backenbart besteht und Hahn und Henne ziert. Ebenso einzigartig ist der breite, kräftig rote Rosenkamm, der weniger kälteempfindlich ist  als der verbreitetere Stehkamm.

Ursprünglich gab es die Appenzeller Barthühner nur in Schwarz, später kamen die rebhuhnhalsigen und blau-gesäumten (grauen) Varianten hinzu. Heute sind die rebhuhnhalsigen am verbreitesten, während die beiden anderen Varianten immer seltener werden.

Verhalten und Lebenserwartung Appenzeller Barthühner sind lebhafte, neugierige und selbstständige Tiere mit ausgeprägtem Freiheitsdrang. Sie sind gute Flieger und lieben es, in Bäumen zu schlafen, ganz wie ihre wilden Vorfahren. Sie werden zutraulich, wenn sie von klein auf an den Umgang gewöhnt werden, werden aber wie alle Hühner ungern auf den Arm genommen. Bei guter Haltung und Pflege können sie ein Alter von 5 bis 8 Jahren erreichen.

Unsere New Hampshire Hühner

Herkunft: Das New-Hampshire-Huhn stammt aus dem gleichnamigen US-Bundesstaat, wo es in den 1910er Jahren aus den Rhodeländern herausgezüchtet wurde. Und bereits in den 1920er Jahren begann man, sie gezielt auf ein schnelles Wachstum, frühe Reife und hohe Legeleistung zu selektieren. Als eigene Rasse wurden sie  jedoch erst 1935 offiziell anerkannt und um 1950 kamen auch die ersten in die Schweiz. Einen ganz besonderen Ehrentitel erhielten sie 2018, als sie auf Initiative einiger Primarschüler zum offiziellen Staatsvogel New Hampshires ernannt wurden. 

Als zuverlässige Legehennen bringen sie es auf rund 220 bis 250 Eiern pro Jahr und legen selbst noch bei winterlichen Temperaturen ihre meist braunen Eier. Die Legeleistung nimmt jedoch ab dem zweiten oder dritten Lebensjahr allmählich ab, weshalb sie in der Landwirtschaft oft nicht älter als 3 bis 4 Jahre werden.

Aufgrund ihrer hohen Legeleistung wurden sie aber auch zu einer wichtigen Ausgangsrasse für die industrielle Hühnerhaltung und moderne Hybridzucht.

Aussehen Mit ihrem kräftigen, gerundeten Körper sind New-Hampshire-Hühner eine unverwechselbare Erscheinung. Die Rasse wird in drei anerkannten Farbschlägen gezüchtet: dem ursprünglichen leuchtend rotbraunen bis kastanienroten Gefieder, einem reinen Weiss sowie einem goldbraun-blaugezeichneten Farbschlag. Bei den goldbraunen Tieren wird besonders die sogenannte Dreifarbigkeit geschätzt, bei der sich Halsgefieder, Sattel und Flügeldecken farblich deutlich voneinander abheben. Beide Geschlechter haben gelbe Beine, jedoch sind die Hähne kräftiger und schwerer als die Hennen.

Verhalten und Lebenserwartung New-Hampshire-Hühner sind ruhige, zutrauliche Tiere, denen man von der Kampfeslust ihrer asiatischen Vorfahren nichts mehr anmerkt. Lediglich ihre kräftigen Läufe erinnern noch daran.

Sie sind wenig flugfreudig und eignen sich besonders gut für die Hobbyhaltung, was sie zu einer der beliebtesten Hühnerrassen überhaupt gemacht hat. Bei guter Haltung können sie 5 bis 7 Jahre alt werden, wobei die Hähne in der Regel sogar noch etwas älter werden.

Wissenswertes über Hühner

Hühner gehören zu den ältesten und am weitesten verbreiteten Nutztieren der Welt. Schätzungen zufolge kommen weltweit auf jeden Menschen rund drei Hühner, und trotzdem werden sie bis heute oft unterschätzt. Wer sich näher mit ihnen beschäftigt, merkt hingegen schnell, dass weit mehr in ihnen steckt, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Und so erfährst du in den folgenden Abschnitte, woher unsere Haushühner stammen, wie klug sie tatsächlich sind und was es mit der oft erwähnten Hackordnung auf sich hat.

Die Herkunft des Huhns

Zu den wichtigste Vorfahren aller heutigen Haushühner zählt das Bankivahuhn (Gallus gallus), auch Rotes Dschungelhuhn genannt.

Dieses lebt noch heute wild in den Wäldern Asiens und übernachtet nachts gut geschützt in den Bäumen. Genetische Untersuchungen zeigen allerdings, dass neben dem Bankivahuhn vermutlich auch weitere Wildhuhnarten aus Indien, Sri Lanka und Indonesien an der Entstehung des heutigen Haushuhns beteiligt waren.

Übrigens reicht die Geschichte des Huhns noch viel weiter zurück: Wie alle Vögel stammt auch das Huhn letztlich von kleinen, zweibeinigen Dinosauriern ab

Der Weg nach Europa

Die Domestikation des Huhns steht vermutlich in engem Zusammenhang mit dem Beginn des Reisanbaus in Südostasien. Wahrscheinlich lockten die Reisfelder die Wildhühner aus dem Dschungel in die Nähe menschlicher Siedlungen, wo sie nach und nach domestiziert wurden. Schriftliche Belege dafür gibt es zwar nicht, doch vieles spricht für diesen Zusammenhang.

Sicher ist jedoch, dass sich Hühner entlang der Handelswege immer weiter verbreiteten und um 800 v. Chr. auch ins südliche Europa gelangten. Hier wurden sie zunächst als Statussymbole gehalten, bevor sie von den Römern für Hahnenkämpfe genutzt und ihrem Kriegsgott Mars geweiht wurden.

Bis sie auch in den kälteren Regionen wie Skandinavien oder Schottland ankamen, vergingen dann jedoch noch einmal rund 1000 Jahre.

Vom Wildhuhn zur Legehenne

Heute existieren mehr als 180 anerkannte Hühnerrassen, welche sich in Legerassen, Fleischrassen und Zweinutzungshühner einteilen lassen (hier eine kleine Übersicht).

Für die Freilandhaltung werden vor allem robuste Rassen eingesetzt, die sich aktiv im Freien auf Futtersuche begeben. Dazu zählen unter anderem Bielefelder Kennhühner, Sussex, Australorps, New Hampshire, Marans und Araucana. Die Legeleistung dieser Rassen liegt bei 150 bis 250 Eier pro Jahr.

Schon das ist im Vergleich zu ihren wilden Vorfahren beachtlich. Noch extremer ist jedoch der Unterschied bei modernen Hybridhühnern, die für die industrielle Haltung gezüchtet wurden.

Während das Bankivahuhn zwei- bis viermal im Jahr ein Gelege mit 5 bis 6, selten mal 9 Eiern hat, legen die Hybridhühner im ersten Jahr über 300 Eier. Es gibt daneben aber auch Hybride, welche gezielt für einen schnellen Fleischansatz gezüchtet wurden. Der Preis dafür ist für beide hoch: Tiere, die auf maximale Leistung gezüchtet werden, sind meist weniger robust und erreichen oft kein hohes Alter. Auch wird mit ihnen nicht weitergezüchtet, da sich bereits  in der 2. Generation die erwartete Leistung deutlich abschwächt.  

Unsere Hühner haben es da viel besser als diese sogenannten Legehühner. Sie können scharren, im Sand baden, nach Körnern, Insekten und Würmern suchen und dürfen ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen., leben an der frischen Luft und geniessen die Gesellschaft ihrer Artgenossen. Den ganzen Tag können sie scharren, im Sand baden und nach Körnern, Insekten und Würmern picken und dürfen am Ende an Altersschwäche sterben.

Wie gross der Bedarf an Eiern ist, zeigen auch die Zahlen aus der Schweiz. zeigen allein die Zahlen aus der Schweiz: 2025 wurden rund 1,9 Milliarden Eier konsumiert, was über 200 Eiern pro Person und Jahr entspricht. Dabei zählen nicht nur die Frühstückseier, sondern auch die unzähligen, die in Nudeln, Mayonnaise oder Gebäck versteckt sind.

Die Rang- und Hackordnung

Hühner brauchen Artgenossen, denn sie leben in festen Gruppen mit einer klaren Hierarchie, an deren Spitze in der Regel der Hahn steht. Unter den Hennen existiert ebenfalls eine eigene Rangordnung, die von einer Leithenne angeführt wird. Lebt die Herde ohne Hahn, übernimmt diese automatisch die Führung der Gruppe.

Die einmal festgelegte Rangordnung regelt, wer zuerst frisst, wer den besten Schlafplatz bekommt und wer ausweichen muss. Vor allem aber sorgt sie für Stabilität und Frieden innerhalb der Gruppe. Stirbt der Hahn, kann es jedoch zu erneuten Kämpfen kommen. Stirbt die Leithenne, übernimmt meist die älteste und erfahrenste Henne ihre Rolle.

Kommt ein neues Tier dazu, gerät die Ordnung vorübergehend ins Wanken, und es kann zu Auseinandersetzungen kommen, die von einigen Tagen bis zu zwei Wochen andauern können. Sobald die neue Rangfolge geklärt ist, kehrt jedoch wieder Ruhe ein. Erfahrene Hühnerhalter kennen verschiedene Möglichkeiten, um die Eingewöhnung neuer Tiere möglichst stressfrei zu gestalten.

Interessant ist, dass die Hackordnung der Hühner lange als Modell für das Sozialverhalten anderer Tierarten herangezogen wurde. So übertrug man dieses Prinzip beispielsweise auch auf Hunde, obwohl deren Sozialverhalten deutlich komplexer ist. Hunde und auch Wölfe leben in sozialen Familienverbänden, deren Struktur eher mit menschlichen Familien als mit einer Hühnergruppe vergleichbar ist. Dennoch hält sich dieses überholte Dominanzmodell bis heute hartnäckig.

Die richtige Ernährung

Hühner sind Allesfresser und verbringen in der Natur einen grossen Teil des Tages mit der Futtersuche. Sie picken Körner, Gräser und Kräuter, graben nach Würmern und Insekten und nehmen dabei ganz nebenbei auch kleine Steinchen auf. Diese helfen ihnen, das Futter im Muskelmagen zu zerkleinern, da sie keine Zähne besitzen.

Die Basis einer ausgewogenen Ernährung bildet auch bei unseren Hühnern ein hochwertiges Getreidefutter, ergänzt durch frisches Grün, Obst und Gemüse sowie gelegentlich gekochten Reis und Kartoffeln als Leckerbissen. Und natürlich steht ihnen jederzeit frisches Trinkwasser zur Verfügung.

Hühner mit viel Auslauf wie die unseren finden einen grossen Teil ihrer Nahrung aber auch selbst. Im Winter hingegen, wenn Insekten und Kräuter rar sind, brauchen sie besonders nährstoffreiches Zufutter. Dabei vertragen sie jedoch nicht alles gleich gut, manches kann für sie sogar gefährlich werden. Deshalb sind zum Beispiel gewürzte Speisen, Avocados und Fleisch tabu.

Die zerzausten hühner

Wenn Henne und Hahn im Herbst – manchmal auch im Frühjahr – wie gerupft aussehen und die Hennen die Eiablage ganz oder teilweise einstellen, sind sie nicht etwa krank, sondern stecken mitten in der Mauser. Diese kann man sich wie den Fellwechsel bei Säugetieren vorstellen. Dabei werden die alten Federn abgestossen, um Platz für neue zu machen, die wieder besseren Schutz gegen Nässe und Kälte bieten.

Dabei fallen nicht alle Federn auf einmal aus, vielmehr erneuert sich das Gefieder nach und nach, beginnend am Kopf. Dadurch sind an manchen Stellen bereits neue Federn nachgewachsen, während an anderen noch die alten zu sehen sind. So bleibt das Huhn während des Federwechsels weiterhin geschützt und ist nicht völlig Wind und Wetter ausgesetzt.

Die Mauser wird durch Hormone ausgelöst, die auf die kürzer werdenden Tage und sinkenden Temperaturen reagieren. Die sogenannte Vollmauser dauert in der Regel zwischen vier und sechs Wochen, bei älteren Tieren aber manchmal auch bis zu zwölf Wochen. In dieser Zeit sind die Hühner auf zusätzliche Nährstoffe angewiesen, da die Bildung neuer Federn viel Energie benötigt. Zudem sind sie in dieser Phase deutlich berührungsempfindlicher.

Fallen die Federn jedoch ausserhalb der Mauser aus, wachsen schlecht nach oder betrifft dies nur einzelne Körperstellen, kann ein Nährstoffmangel oder eine Erkrankung die Ursache sein. Auch starker Stress oder ein grosser Schreck können zum Verlust von Federn führen.

Fortpflanzung

Mit etwa einem halben Jahr legen die meisten Hennen ihr erstes Ei und sind damit geschlechtsreif. Kommt es zur Paarung, brüten sie ein- bis zweimal pro Jahr. Dabei reicht ein einmaliger Deckakt aus, um alle Eier zu befruchten, die in den darauffolgenden Tagen gelegt werden.

Erst wenn das Gelege mit acht bis vierzehn Eiern vollständig ist, beginnt die Henne mit dem Brüten. So ist sichergestellt, dass alle Küken ungefähr gleichzeitig schlüpfen, obwohl die Eier an verschiedenen Tagen gelegt wurden.

Die Natur hat dafür einen erstaunlichen Mechanismus entwickelt: Die Entwicklung im befruchteten Hühnerei beginnt nämlich erst ab einer Temperatur von etwa 26 °C. Bis zum Schlupf nach ungefähr 21 Tagen ist dann jedoch eine konstante Bruttemperatur von 37,5 bis 38,3 °C notwendig.

Während dieser Zeit bleibt die Henne fast ununterbrochen auf dem Nest sitzen und wirkt dabei beinahe wie in Trance. In dieser Phase frisst sie nur wenig, weshalb ihr Zustand aufmerksam beobachtet werden sollte.

Selbst wenn kein Hahn vorhanden ist, legen die Hennen Eier und würden nach abgeschlossener Eiablage auch mit dem Brüten beginnen. Manche Hennen bleiben dann sogar länger als drei Wochen auf ihrem Nest sitzen. Aus diesem Grund und weil die Eier sonst zu faulen beginnen, müssen unbefruchtete Eier unbedingt entfernt werden. Dasselbe gilt auch für abgestorbene Eier in einem befruchteten Gelege.

Vom Küken zum jungen Huhn

Kurz vor dem Schlupf beginnt das Küken, die Schale von innen anzupicken. Dazu benutzt es einen kleinen, harten Eizahn, der nach dem Schlüpfen abfällt. Dieser Vorgang ist sehr anstrengend und dauert meist einige Stunden, in seltenen Fällen bis zu 24 Stunden.

Frisch geschlüpfte Küken sind Nestflüchter und folgen ihrer Mutter schon kurz nach dem Schlupf überall hin. Von ihr lernen sie, wo Futter zu finden ist, und werden unter ihren Flügeln gewärmt und beschützt.

Nach etwa acht Wochen löst die Mutter die Bindung zu ihren Jungtieren und diese müssen sich fortan selbst in der Herde behaupten.

Dummes Huhn - das war einmal!

Lange ging man davon aus, dass das Verhalten von Hühnern rein instinktiv gesteuert sei. Heute weiss man jedoch, dass bereits Küken vieles durch Nachahmung lernen, indem sie das Verhalten erwachsener Tiere oder älterer Jungtiere beobachten.

Und auch sonst sind Hühner weit klüger, als ihr Ruf vermuten lässt. Experimente haben gezeigt, dass sie über eine komplexe Kommunikation verfügen und logisch schlussfolgern können. Noch erstaunlicher ist jedoch, dass sie sogar zählen und sich gegenseitig täuschen können.

Zudem besitzen Hühner ein ausgeprägtes Zeitgefühl: Sie erwarten ihr Futter zu gewohnten Zeiten und erinnern sich zuverlässig an feste Abläufe.

Dank ihres guten Langzeitgedächtnisses können sie bis zu 100 Artgenossen sowie vertraute Menschen erkennen und sich lange an sie erinnern. Das macht es möglich, die Tiere auch in grösseren Gruppen zu halten, wobei die Rangordnung in grossen Herden dennoch weniger stabil ist und Konflikte häufiger auftreten können.

Darüber hinaus verfügen Hühner über eine bemerkenswerte soziale Intelligenz und sind sogar zu Empathie fähig. Studien zeigen, dass sie die Stresssignale ihrer Küken ebenso wie jene anderer Hühner wahrnehmen und darauf reagieren, auch wenn sie selbst keine unmittelbare Gefahr erkennen.

Sogar Formen von Trauerverhalten wurden beobachtet, etwa wenn Tiere teilnahmslos wirken oder weniger fressen.

Man kann Hühner auch trainieren: Das reicht von einfachen Lockrufen, auf die sie reagieren, bis hin zu kleinen Kunststücken.

Die vielfältige Kommunikation unserer Hühner

Hühner verfügen über eine erstaunlich vielfältige Sprache, die weit über das bekannte Gackern und Krähen hinausgeht. Je nach Studie unterscheidet man 20 bis 30 verschiedene Lautäusserungen. Interessant ist dabei, dass Hühner, die bei ihrer Mutter aufwachsen, meist ein grösseres Lautrepertoire entwickeln als Tiere aus dem Brutapparat. Sogar zwischen verschiedenen Rassen gibt es Unterschiede, man könnte fast von eigenen «Dialekten» sprechen.

Allein das Krähen des Hahns hat mehrere Funktionen: Es dient als Kontaktruf, hält die Gruppe zusammen, markiert das Revier und hilft dabei, Hennen zu beeindrucken. Ebenso wichtig ist es als Warnruf, dessen Klang sich je nach Art der Gefahr unterscheidet und die Hühner vor Bedrohungen aus der Luft oder vom Boden warnt. Auch deshalb halten wir im Park bewusst einen Hahn bei der Gruppe.

Den Hennen gegenüber ist der Hahn oft ein echter Gentleman: Findet er Futter, ruft er zuerst seine Hennen herbei und lässt sie fressen, bevor er selbst ans Futter geht. Dieses Verhalten stärkt seine Stellung in der Gruppe und erhöht seine Attraktivität als Partner.

Allerdings nutzt der Hahn diesen Lockruf gelegentlich auch, um eine Henne von anderen Hähnen wegzulocken. Statt Futter erwartet sie dann jedoch ein Paarungsangebot.

Auch die Hennen kommunizieren sehr differenziert, besonders mit ihren Küken. Sie geben ihnen mit verschiedenen Lauten zu verstehen, dass Futter gefunden wurde, warnen vor Gefahren oder signalisieren, wo sie Schutz suchen sollen.

Noch faszinierender ist die Kommunikation zwischen Glucke und Küken bereits vor dem Schlupf: Schon zwei bis drei Tage vorher beginnen die Küken im Ei zu piepsen und treten so mit der Mutter und ihren Geschwistern in Kontakt. Auf diese Weise prägen sie sich schon vor dem Schlüpfen wichtige Laute ein, damit sie ihre Mutter später sofort erkennen können.

Hühner im Gespräch

Lausch doch mal rein, vielleicht verstehst du dann auch schon bald ein wenig „Hühnisch“.

Futterlocken des Hahns

Futterlocken der Henne

Allerlei Staunenswertes

Fliegende Hühner: Zwischen den einzelnen Rassen bestehen grosse Unterschiede: Leichte Rassen wie das Leghorn überfliegen problemlos einen Zaun, während schwere Rassen wie unsere New Hampshires kaum vom Boden abheben können. Als leichtere Rasse wären unsere Appenzeller Barthühner eigentlich gute Flieger, doch sie scheinen das Fliegen verlernt zu haben. Vermutlich hatten sie bisher einfach nie einen Anlass dazu.

Die Flügel haben dennoch eine wichtige Funktion: Sie dienen nicht nur dem Fliegen, sondern sind auch ein wichtiges Ausdrucksmittel. Mit ihnen zeigen Hühner Stärke, Angst oder Unterwerfung. Bei Hitze halten sie die Flügel vom Körper weg, um Wärme abzugeben, und nachts legen sie den Kopf schützend darunter.

Schlafende HühnerHühner verbringen die Nacht am liebsten auf Sitzstangen. Dieses Verhalten haben sie von ihren wilden Vorfahren übernommen, die zum Schutz vor Fressfeinden auf Bäumen übernachteten. Nur brütende Hennen bleiben bei ihren Eiern oder Küken im Nest.

Damit Hühner beim Schlafen nicht von der Stange fallen, sorgt ein spezieller Sehnenmechanismus dafür, dass sich ihre Krallen ohne Muskelkraft um die Sitzstange schliessen. Sobald sich das Huhn am Morgen aufrichtet, entspannt sich die Sehne wieder und die Füsse lösen sich.

Eine weitere Besonderheit ist der sogenannte Halbseitenschlaf, den vor allem Tiere nutzen, die am Rand sitzen. Dabei bleibt immer eine Gehirnhälfte wach, während die andere ruht. So können sie mögliche Gefahren rechtzeitig wahrnehmen.

Sehende Hühner: Die seitlich am Kopf angebrachten Augen ermöglichen Hühnern einen Blickwinkel von rund 300 Grad. Dadurch haben sie ihre Umgebung fast vollständig im Blick.

Allerdings sehen sie nur bis etwa fünf Meter scharf und farbig, danach nimmt ihre Sehschärfe kontinuierlich ab. In ihrem ursprünglichen Lebensraum war eine grössere Sichtweite schlicht nicht notwendig.

Auch beim räumlichen Sehen gibt es Einschränkungen, da sich die Sichtfelder beider Augen nur wenig überschneiden. Dadurch fällt es ihnen schwerer, Entfernungen genau einzuschätzen. Dafür können sie mit beiden Augen gleichzeitig unterschiedliche Bereiche beobachten: Dabei wird das rechte Auge vor allem zur Futtersuche genutzt, während das linke gleichzeitig nach möglichen Gefahren Ausschau hält.


Wahrnehmung:Hühner nehmen ihre Umwelt anders wahr als wir Menschen. Sie sehen nicht nur mehr Farben, sondern können auch ultraviolettes Licht erkennen. Dadurch erscheint ihnen ihre Umgebung in einer Weise, die wir uns kaum vorstellen können (einen kleinen Eindruck geben dir diese Blumenbilder). 

Ausserdem verarbeiten Hühner weit über 100 Einzelbilder pro Sekunde und erkennen dadurch selbst kleinste Bewegungen sehr schnell. Diese Fähigkeit hilft ihnen, Fressfeinde frühzeitig zu bemerken. Sie hat jedoch auch einen Nachteil: Was für uns wie gleichmässiges Licht wirkt, kann für Hühner flimmern von Leuchtstoffröhren kann sie stark belasten. Deshalb sollten solche Lichtquellen mindestens 100 bis 120 Hertz aufweisen, damit das Licht für sie möglichst ruhig erscheint.*

Menschen nehmen Frequenzen bis 60 Hz bewusst wahr, unbewusst jedoch bis zu 100 Hz, was bei manchen zu Kopfweh und Schwindel führen kann.

Nickende Hühner: Was aussieht wie ständiges Nicken beim Laufen, ist in Wirklichkeit eine raffinierte Sehhilfe. Da die Pupillen der Hühner deutlich unbeweglicher sind als unsere, würde das Bild beim Gehen verschwimmen.

Um das auszugleichen, hält das Huhn den Kopf für einen kurzen Moment still, während sich der Körper weiterbewegt. Sobald die Augen ein stabiles Bild aufgenommen haben, zieht der Kopf ruckartig nach vorne nach. Das scheinbare Nicken ist also eine optische Täuschung.

Mit dem selben Mechanismus gelingt es Hühnern auch besser, Entfernungen einzuschätzen, indem sie ein Objekt nacheinander aus leicht unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten.

Badende Hühner: Hühner lieben es zu baden. Aber nicht so wie wir uns das vorstellen, im Wasser. Nein, sie geniessen ihr Bad im Sand. 

Dieses Sandbad dient nicht nur dem Wohlbefinden, sondern vor allem der Gefiederpflege: Der feine Staub entfernt Parasiten, überschüssiges Fett und lose Federn aus dem Gefieder. Anschliessend wird das Gefieder kräftig ausgeschüttelt.

So ein Sandbad ist für Hühner also nicht nur Reinigung, sondern gleichzeitig auch Wellness.

Eierlegende Hühner: Ob weiss, braun oder grün, die Farbe der Eier hängt nicht mit der Farbe des Huhns zusammen, wohl aber mit seinen Ohrlappen. 

Bei vielen reinrassigen Hühnern lässt sich die Eifarbe an den Ohrlappen erkennen: Weisse Ohrlappen deuten meist auf weisse Eier hin, rote Ohrlappen auf braune.

Die Araucana-Henne bildet eine Ausnahme: Obwohl sie rote Ohrlappen besitzt, legt sie grüne bis türkisfarbene Eier. Der Grund dafür ist ein besonderes Pigment, das die Schale bereits während ihrer Bildung grün färbt.

Daneben gibt es Rassen wie die Marans, die besonders dunkelbraune Eier legen. Vor allem zu Beginn der Legeperiode können diese Eier fast schokoladenbraun wirken.