Vom Watscheln und Gründeln – Wasservögel mit Charakter
Gefiederte Vielfalt am Teich
Wer sich bei unserem Ententeich auf eine Bank setzt und dem Treiben auf und neben dem Wasser zuschaut, entdeckt schnell: Jeder unserer watschelnden Bewohner hat seinen ganz eigenen Charakter.
Da watscheln die Indischen Laufenten aufrecht zielstrebig auf das Wasser zu. Nicht weit davon ziehen die Pommernenten mit ihrem blaugrün schimmernden Gefieder gemütlich durchs Revier. Etwas turbulenter geht es bei den Warzenenten zu, die sich mit ihren markanten Köpfen im Teich tummeln. Und während all das passiert, lassen sich die Afrikanischen Höckergänse, unsere grössten Wasservögel, in aller Ruhe das frische Gras schmecken.
So unterschiedlich unsere Wasservögel auch sind, eines haben sie gemeinsam: Sie sind perfekt an das Leben im und am Wasser angepasst.
Unsere Gänse und Enten im Tierpark
AFRIKAN. HÖCKERGANS
Zentralasien
- 90-100cm, 6-10kg
- Sehr laut
- Höcker am Schnabel
- Gute Wächter
INDISCHE LAUFENTE
Südostasien
- 50-65cm, 1,4-2,3kg
- Mittel laut
- Aufrechter Stand
- Gute Schneckenjäger
POMMERNENTE
Pommern
- Mittelgross, 2,5-3,5kg
- Mittel laut
- Glänzendes Gefieder
- Seltene Rasse
WARZENENTE
Südamerika
- 65- 80cm, 2-5kg
- Leise (zischt/pfeift)
- Warzen am Kopf
- Trägt viele Namen
Unsere Afrikanischen Höckergänse
Unsere drei Afrikanischen Höckergänse sind ein besonderer Blickfang im Park und begeistern Besucherinnen und Besucher mit ihrem imposanten Aussehen und ihrem selbstbewussten Auftreten.
Majeli
Gustav
Flügeli
HERKUNFT
Anders als ihr Name vermuten lässt, liegt der Ursprung der Afrikanischen Höckergans in Zentralasien, wo sie von der Schwanengans abstammt. Ihre Domestikation begann dort wahrscheinlich vor mehreren tausend Jahren. Die Bezeichnung «Afrikanische Gans» erhielt die Rasse erst im 19. Jahrhundert, als sie über Handelswege nach Nordamerika gelangte.
Als Hausform ist sie heute auch als Chinesische Gans bekannt.
AUSSEHEN
Afrikanische Höckergänse sind grosse, kräftige Tiere mit langem Hals, deren Gewicht bis zu 10 Kilo erreichen kann. Ihr unverkennbares Markenzeichen ist jedoch der markante Höcker an der Schnabelbasis, welcher aus weichem Gewebe besteht. Er ist besonders bei älteren Tieren und dort vor allem bei den Gantern stark ausgeprägt.
Da der Höcker erst mit zunehmendem Alter zu wachsen beginnt, sind junge Höckergänse in den ersten Lebensmonaten kaum von Hausgänsen zu unterscheiden.
Es existieren drei Farbschläge: «wildfarben», der «braungraue Schlag», so wie bei unseren Tieren im Park, sowie eine weisse Variante mit orangefarbenem Schnabel und Höcker.
VERHALTEN UND LEBENSERWARTUNG
Afrikanische Höckergänse leben in festen Familienverbänden in denen die Ganter ihre Partnerin und deren Nachwuchs bei Gefahr vehement verteidigt. Dies macht sie auch zu ausgezeichnete Wächtern. Und so wussten auch die Römer deren Wachsamkeit zu schätzen und setzten ihre Hausgänse als Wächter im Kapitol ein. Unsere Tiere im Park sind jedoch an Besucher gewöhnt und reagieren deshalb entspannt auf deren Anwesenheit.
Bei guter Haltung werden die Afrikanischen Höckergänse 10 bis 15 Jahre alt.
Unsere Indischen Laufenten
In unserem Tierpark leben Indische Laufenten in verschiedenen Farbschlägen. Typisch für die Rasse ist ihre aufrechte, fast pinguinartige Haltung, mit der sie sich deutlich von anderen Entenrassen unterscheidet. Auch ihre schnellen, trippelnden Schritte fallen sofort auf.
Unsere Tiere zeigen dabei nur einen Teil der Farbvielfalt, die bei dieser Rasse vorkommt.
HERKUNFT
Die Indische Laufente, auch Pinguin-Ente genannt, stammt ursprünglich von der Stockente Südostasiens ab. Bereits im 19. Jahrhundert wurde die Rasse auch in Europa weitergezüchtet und verbreitete sich von hier aus in viele Länder.
Ihren Namen verdankt sie ihrer ungewöhnliche Körperhaltung und ihrer damit einhergehenden Fortbewegung: Statt zu watscheln, bewegen sie sich hochaufgerichtet mit schnellen Schritten vorwärts und wirken dabei fast wie kleine Pinguine.
AUSSEHEN
Laufenten besitzen einen schlanken, langen Hals und einen schmalen Körper, der ihnen ein typisches, flaschenförmiges Aussehen verleiht, weshalb sie mancherorts auch Flaschenenten genannt werden. Im Ruhezustand sind die wildfarbigen hingegen kaum von unseren Stockenten zu unterscheiden. Erst bei genauerem Hinsehen fällt ihre schlankere Form auf. Aufgrund ihres Körperbaus sind sie nur eingeschränkt flugfähig, weshalb bereits niedrige Zäune ausreichen, um sie im Gehege zu halten.
Neben der Wildfarbe gibt es heute zahlreiche weitere Farbvarianten, darunter einfarbige wie Weiss, Schwarz, Braun aber auch Forellenfarbige, Gelb-Blaue sowie verschiedene gescheckte Formen.
VERHALTEN UND LEBENSERWARTUNG
Indische Laufenten sind neugierige, aktive und bewegungsfreudige Tiere. Gerne erkunden sie ihre Umgebung und sind dabei stets auf der Suche nach Insekten, Würmern und Schnecken. Auch schwimmen sie sehr gerne und nutzen das Wasser regelmässig zur Gefiederpflege.
Früher wurden Laufenten häufig als natürliche Schneckenjäger in Gärten und Weinbergen eingesetzt. Dort vertilgten sie zuverlässig Schnecken und andere Schädlinge, ohne die Pflanzen zu beschädigen.
Bei guter Haltung erreichen die Indischen Laufenten ein Alter von 8 bis 12 Jahren.
Unsere Pommernenten
Mit ihrem auffälligen weissen Brustlatz und dem dunkel schimmernden Gefieder gehört die Pommernente zu den elegantesten Entenrassen Deutschlands. Gleichzeitig ist sie auch deren älteste. Trotzdem zählt sie heute zu den gefährdeten Nutztierrassen. Mit der Haltung unserer Pommernenten leisten wir deshalb einen kleinen Beitrag zum Erhalt dieser historischen Rasse.
Pommernente in Grau
(Blaue Farbvariante)
Pommernente – Erpel
(Schwarze Farbvariante)
Pommernente
(Schwarze Farbvariante)
HERKUNFT
Vermutlich wurde die Pommernente bereits im 18. Jahrhundert gezielt in der historischen Region Pommern gezüchtet. Dort schätzte man sie als vielseitige Nutzente, die sowohl Fleisch als auch Eier lieferte: Je nach Haltung, Alter und Zuchtlinie legen Pommernenten jährlich zwischen 60 und 150 Eiern.
Mit der zunehmenden Verbreitung moderner Hochleistungsrassen ging ihr Bestand jedoch stark zurück und so steht die Pommernente heute auf der Roten Liste der gefährdeten Nutztierrassen. Zum Glück setzen sich verschiedene Erhaltungszuchtprogramme dafür ein, dass diese traditionsreiche Rasse auch künftig erhalten bleibt.
AUSSEHEN
Pommernenten sind mittelgrosse, kräftig gebaute Enten mit waagerechter Körperhaltung und vergleichsweise kurzem Hals. Besonders charakteristisch ist ihr weisser Brustlatz, der sich deutlich vom übrigen Gefieder abhebt.
Die Rasse wird bis heute in zwei anerkannten Farbschlägen gezüchtet: schwarz mit grünlichem Metallglanz sowie blau, eine schiefergraue Farbvariante. Der Erpel wirkt meist etwas kontrastreicher gefärbt als die Ente, auch ist sein Schnabel olivfarben, während der Schnabel der Ente eher grau erscheint.
VERHALTEN UND LEBENSERWARTUNG
Pommernenten gelten als ruhige, genügsame und widerstandsfähige Tiere. Sie fühlen sich sowohl am Wasser als auch auf Wiesen wohl und verbringen viel Zeit mit der Nahrungssuche am Boden. Obwohl sie ausgezeichnet schwimmen können, fliegen sie nur selten und bleiben meist in der Nähe ihres Reviers.
Wie viele traditionelle Entenrassen fressen sie gerne Schnecken, Insekten und andere Kleintiere. Früher wurden sie deshalb auch zur natürlichen Schädlingsbekämpfung geschätzt.
Bei guter Haltung erreichen Pommernenten ein Alter von 8 bis 12 Jahren.
Unsere Warzenenten
Die Warzenente trägt erstaunlich viele Namen, und jeder erzählt ein Stück ihrer Geschichte. Weil sie im Gegensatz zu vielen anderen Hausenten noch richtig gut fliegen kann, gab man ihr den Namen „Flugente“. Ihre leisen, eher zischenden statt schnatternden Laute wiederum haben ihr den Namen Stummente eingebracht.
Auch die Bezeichnung Türkenente hat einen nachvollziehbaren Ursprung: Vermutlich verbreitete sich die Art einst über alte Handelswege, die bis in die Türkei reichten. Etwas kurioser ist die Geschichte hinter dem Namen Moschusente. Vor allem die Erpel verströmen einen charakteristischen, moschusartigen Duft, was diesen Namen naheliegend erscheinen lässt. Andere Quellen sehen den Ursprung jedoch woanders: Man habe die Art früher fälschlicherweise mit Russland beziehungsweise Moskau in Verbindung gebracht, worauf auch der englische Name „Muscovy Duck“ zurückgehen soll.
So oder so: Kaum eine andere Entenrasse trägt so viele Beinamen wie sie.
HERKUNFT
Die Warzenente ist die domestizierte Form der südamerikanischen Moschusente, die dort in den feuchten Wäldern, Sümpfen und Mangrovengebieten lebt. Besonders auffällig ist ihr Brutverhalten: Anders als die meisten Enten zieht sie Baumhöhlen als Nistplatz vor.
Von den indigenen Völkern wird sie seit vielen Jahrhunderten als Nutztier gehalten. Im 16. Jahrhundert, nach der europäischen Besiedlung Südamerikas, gelangte sie auch nach Europa und verbreitete sich von hier aus weltweit.
AUSSEHEN
Das sicherlich auffälligste Merkmal der Warzenente ist die rote bis dunkle Hautwucherung, die sogenannten Karunkeln, rund um die Augen und an der Schnabelwurzel. Dies mag auf den ersten Blick ungewöhnlich wirken, ein Krankheitszeichen ist es jedoch nicht.
Am Federkleid lassen sich Erpel und Ente nicht unterscheiden. Auch fehlt dem Erpel die für unsere anderen Entenarten typische Erpellocke. Erkennen lässt er sich jedoch an seiner deutlich stattlicheren Grösse sowie an den ausgeprägteren Karunkeln als bei der Ente.
Als Hausform kommt sie in zahlreichen Farbschlägen vor: Neben der wildfarbenen, schwarzen Variante mit metallgrünem Schimmer gibt es unter anderem braun-wildfarbige, weisse, schwarz-weiss gescheckte sowie blau-weisse Tiere.
VERHALTEN UND LEBENSERWARTUNG
Wer sie zum ersten Mal beobachtet, ist oft überrascht, wie ruhig diese stattlichen Tiere sind. Während andere Enten lautstark quaken, zischt und prustet der Erpel höchstens leise vor sich hin, und die Ente gibt weiche Pfeiflaute von sich.
Die Nahrungssuche betreiben sie am liebsten an Land, wo sie geschickt nach Insekten, Würmern und Pflanzenteilen suchen.
Warzenenten können ein erstaunlich hohes Alter erreichen. Bei guter Haltung sind über 15 Jahre keine Seltenheit, einzelne Tiere wurden sogar deutlich älter, auch wenn 8 bis 12 Jahre insgesamt am häufigsten sind.